• Sandra Wagner

Vom Suchen, Verrücktwerden, Loslassen und Gefundenwerden



Gestern kam eine trauernde Frau auf mich zu, deren geliebter Mann erst vor wenigen Wochen verstorben war. Kurz nach seinem Tod hätte er ihr immer wieder Zeichen geschickt und ihr spüren lassen, dass er noch in ihrer Nähe ist und dass es ihm gut geht, dort wo er jetzt ist. Doch seit einigen Tagen fühle sie ihn nicht mehr…


"WARUM??"

Immer wieder höre ich von hinterbliebenen Menschen, wie sehr sie sich nach Zeichen ihrer lieben Verstorbenen sehnen und wie sehr sie auf eine Botschaft von ihnen hoffen.


Manchmal empfinden Trauernde ganz plötzlich und unverhofft ein starkes Gefühl von Nähe, sie können die Seele dieses geliebten Menschen beinahe bewusst wahrnehmen, oder hören für einen Augenblick seine Stimme, empfangen eine kurze Botschaft oder sie sehen ihn bildlich vor sich, wie er lächelt und das friedvolle Gefühl vermittelt, dass es ihm gut geht.


Doch dann sind diese heiligen Momente wieder vorbei, und der Trauernde bleibt zurück. Mit all seinen Fragen und Zweifeln und Hoffnungen.


„Habe ich mir das jetzt nur eingebildet?“, ist die erste Frage die auftaucht und all das Wunder dieser heilsamen Begegnung wieder zunichtemacht.


Und dann wartet man auf das nächste Zeichen, auf das nächste Wunder und, so wie jene Frau, die gestern mit ihrem großen WARUM auf mich zukam, treibt sie das Hoffen auf die nächste Botschaft ganz um und sie werden beinahe „verrückt“ von diesem Warten auf eine nächste Begegnung.


Mir ging es damals nicht anders…


Meine Trauerbegleiterin hat es mir nach dem Tod meiner Zwillinge immer so erklärt, dass Kinder auch in "irdischer Form" nicht immer ansprechbar für ihre Eltern wären, nicht immer aufnahmefähig, und dass sie auch auf der Erde ab einem gewissen Alter nicht permanent bei der Mama sein wollten,... und dass es eben in ihrem "neuen Leben" nun auch so ist, dass sie ab und zu Zeit für sich brauchen und sich diese auch nehmen.


Auch wenn es für mich immer ganz schlimm war, wenn ich Romy und Lenny eine Zeit lang nicht spüren konnte, fand ich diese Vorstellung tröstlich und lernte, sie nach und nach anzunehmen.


Ich hatte zwar immer noch Angst, dass ich meine Mäuse nun endgültig verloren haben könnte, wenn ich sie ein paar Tage (oder Wochen) nicht „spüren“ konnte und der Gedanke machte mich immer wieder fast verrückt! Doch immer dann, wenn ich sie am wenigsten erwartet hätte, immer dann, wenn ich überhaupt nicht danach gesucht hatte, immer dann fanden sie mich wieder mit all ihrem Zauber, mit ihren Botschaften und ihren kleinen und großen Wundern!


Dann glaubte ich wieder eine Zeit lang ganz fest an ihr besonderes Dasein, bis ich wieder in Angst verfiel, dass ich „es“ mir ja nur eingebildet haben könnte. Und dann fing das Suchen, das Verrücktwerden, das Loslassen und das wieder Gefundenwerden von vorne an...


Doch je mehr „Stille“ in meiner Seele einkehrte und je mehr ich diese Stille auch zulassen und in einen wärmenden Glauben umwandeln konnte, dass da MEHR ist, desto mehr Zeichen meiner Kinder konnte ich wahrnehmen und als kleine "Sinnfindlinge" in mein Leben einordnen…


Heute zweifle ich schon lange nicht mehr an meinem Glauben. Ich würde fast sagen, dass sich mein Glaube in ein Wissen umgewandelt hat, ein tief in mir angelegtes Gefühl, das von nichts und niemanden mehr erschüttert werden kann.


Romy und Lenny sind so deutlich spürbar wie der Wind, so bewusst wahrzunehmen wie warme Sonnenstrahlen auf dem Rücken, so deutlich hörbar wie die Melodie meines Lieblingsliedes in meinen Ohren...


Ich weiß einfach, dass es sie gibt. Punkt. Und mehr gibt es dazu nicht zu sagen 😉




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