• Sandra Wagner

"Alles ist gut" - Nur eine Erfindung?

Ich war früher schon immer der Meinung, dass es für alles einen Grund gibt. Dass jede Sache, jede Situation, die uns nach unten zerrt, uns schlussendlich zu einem Antrieb nach oben verhilft. Dass aus allem was passiert, irgendetwas gelernt werden kann, dass alles „zu unserem Besten“ passiert. Auch wenn man die Gründe anfangs nicht sieht. Vielleicht sieht man sie ja in einem Jahr? Bücher, Filme, Geschichten bestätigen es. „Es“: das ungreifbar Gute, das uns durch alle Stürme des Lebens trägt und durch alle Lebenslagen hilft...


Doch was ist, wenn dieser Glaube an ein „Alles ist gut“ nur eine Erfindung ist, die es vielleicht nur gibt, um unser aller Leben zu vereinfachen? Eine schlichte Unwahrheit. Eine Ausrede - für jede Situation geeignet. Am schönsten gesprochen aber nur dann, wenn sie nicht zum eigenen Trost verhelfen muss. Ein simpler Rettungsring eben: Egal wie aussichtslos, wie schmerzhaft und dunkel es auch gerade sein mag, früher oder später sieht man wieder klarer und alles wird wieder gut.


Und was, wenn nicht??


Ich möchte diese schweren Fragen, die ich mir so oft gestellt habe, mit den Worten aus dem Epilog meines Buches „Wenn aus Trauer Liebe wird“ abschließen. Für mich persönlich und vielleicht auch für den einen oder anderen von euch, und euch dazu ermutigen, in euch NACH EURER Antwort zu suchen. Denn das, was MIR MEIN Schicksal gelehrt hat und was MEINE persönliche Überzeugung ist, hat sich letztendlich auch als diese eine - meine - Wahrheit herausgestellt, die schon immer in mir war und die heute mehr Gewicht hat denn je:



„(…)Ich konzentriere mich ja bekanntlich gerne auf die positive Seite der Dinge und sage immer, dass am Ende alles gut sein wird. Aber um die Wahrheit zu sagen, und ich glaube fest an die Wahrheit: Der Tod von Romy und Lenny hat mich trotz meines Vertrauens an die Grenze meines Glaubens gebracht. Mir wollte einfach nichts einfallen, was daran „gut sein“ könnte und was ich durch ihr Sterben gewonnen haben sollte. Ich konnte nur sehen, dass ich sie verloren hatte. Und dieser Gedanke wickelte sich in der ersten Zeit meiner Trauer um mein Herz wie eine schwere Kette aus Eisen und verschloss es ganz fest und scheinbar auch für immer.
Aber während die Tage und Monate verstrichen und ich jede Sekunde an meine Zwillinge dachte und irgendwann auch dabei lächelte, da wurde mir allmählich etwas klar. Sie zu kennen, zu lieben, sie Stunde um Stunde - Schritt für Schritt - an meiner Seite zu spüren, sie sprechen zu hören, und vor allem IHRE MAMA sein zu dürfen - die Mama zwei so wundervoller Engel, die so vieles bewegen und so viele Wunder in mein Leben streuen - das ist das größte Geschenk, das ich nur haben kann!
Ich trage meine Kinder tief in meiner Seele, ihr Vermächtnis in mir währt für die Ewigkeit.
Das Leben hat mich reich beschenkt. Und auch wenn es mir von einer Sekunde auf die nächste das Gefühl gab, mir mein größtes Geschenk wieder aus den Händen gerissen zu haben, zeigte es mir im nächsten Augenblick, dass die wahre Essenz dieses Geschenks viel tiefer liegt (…)“

Welche Geschenke mir Romy und Lenny alles mitgebracht haben??


…ich habe all jenen ein ganzes Buch gewidmet! 💖😌💖


Ja, und heute weiß ich eines ganz sicher: Alles ist gut!


Und wenn es das nicht schon immer war, dann ist es das spätestens jetzt.





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