• Sandra Wagner

Schreib´dein Buch!


Schon wenige Monate nach der Geburt unserer Sternenkinder Romy und Lenny keimte der Wunsch in mir auf, ein Buch über unsere Geschichte zu schreiben, um all mein Erlebtes und meine Erfahrungen auf dem Trauerweg anderen Trauernden zugänglich zu machen und ihnen dadurch ein klein wenig Mut, ein bisschen Hoffnung zu schenken. Ich hatte relativ schnell gemerkt, noch während der Zeit meiner größten Trauer, dass meine Kinder nicht nur tot waren, sondern dass da noch viel von ihnen übrig geblieben ist…


Dieser Herzenswunsch, dieses Buch zu schreiben, das heute den Titel „Wenn aus Trauer Liebe wird“ trägt und überall im Buchhandel erhältlich ist, begleitete mich über mehrere Jahre. Und immer wieder sagte ich: „Ich werde eines Tages ein Buch über Romy und Lenny schreiben!“ Meine Freunde und Familie wussten natürlich von meiner Vision. Immer wieder wurde ich dazu ermuntert, diesem Traum in meinem Leben Platz zu schaffen und mit dem Schreiben zu beginnen.


Doch jeder weiß, wie es häufig ist mit Wünschen und großen Träumen… Das Leben schiebt sich dazwischen und aus einst gefassten Plänen werden vor einem hergeschobene Vorhaben, die meist in Sätzen mit dem Wörtchen „Irgendwann“ fein säuberlich an die Herzenspinnwand gehängt werden. Das eigene Herz aber vergisst nie und erinnert einen immer wieder daran, dass da noch etwas erledigt werden möchte. Doch wir vertrösten es (und damit auch uns selbst) weiterhin mit wohlwollenden „Ja ja, irgendwann“-s.


Nur elf Monate nach dem Tod unserer Sternenkinder kam unsere Tochter Melina in unsere Mitte, weitere zweieinhalb Jahre später erblickte ihre kleine Schwester und unser viertes Kind Jona das Licht der Welt. Ich war erfüllt von Mutterglück und die Tage und Monate rasten voller Wonne und manchmal auch voller Müdigkeit an mir vorbei. Der Wunsch aber, dieses Buch zu schreiben, war immer da…


Im September 2015, Jona war inzwischen ein Jahr und neun Monate alt, besuchte ich das erste Mal die Schreibwerkstatt in Coburg. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimme meines Herzens schon sehr laut und ich spürte, dass ich dem Schreiben endlich mehr Platz geben müsste. Es ist für mich sehr spannend gewesen, das erste Mal auf andere Menschen zu treffen, die die gleiche Leidenschaft teilten wie ich, und das Schreiben bereicherte mein Dasein als Vollzeitmama auf eine ganz herrliche Art und Weise.


Nur wenige Wochen nach meinem ersten Kursabend bei der Schreiberkstatt kam mein Papa auf mich zu. In der Hand hielt er einen Artikel, den er aus seiner Fernsehzeitschrift für mich herausgetrennt hatte und den er mir ohne große Worte in die Hand drückte. Mein Vater war noch nie ein Freund von langen Ansprachen und er bedachte diese eindrucksvolle Geste des Überreichens lieber mit einem auffordernden Schmunzeln. Auf dem Artikel einer großen Fernschule für Autoren stand in roten, großen Buchstaben:


Schreib dein Buch!

In meinem Bauch kribbelte es und ich schaute Papa erstaunt an – und Papa lachte.

Und dann lachte auch ich.

„Na, Zeit wird´s, Klana“, übernahm meine Mama das Wort.


Und noch am selben Tag schmiedete ich mit meinem Mann und meinen Eltern Pläne, wie dieses Fernstudium mit unseren zwei kleinen Kindern zu bewältigen wäre. Ich betreute Jona nach wie vor zuhause und hatte sie erst für September nächsten Jahres für den Kindergarten angemeldet. Somit wollte ich das Schicksal entscheiden lassen.


„Wenn ich für Januar zufällig noch einen Platz für Jona in der Krippe bekomme, also bereits in 3 Monaten statt in einem Jahr, dann mache ich das Fernstudium und fange auch endlich mit meinem Buch an!“


Natürlich war es alles andere als gewiss, ob ich in nur so kurzer Zeit einen heißbegehrten Platz in der Krippe erhalten würde. Doch das vielversprechende Kribbeln in meinem Bauch blieb bestehen…


Am nächsten Tag, es war ein Montag, nahm ich wie jeden Morgen meine zwei kleinen Mädchen und brachte Melina in den Kindergarten. Mit Jona auf dem Arm klopfte ich zitterig an der Tür der Kita-Leitung und fragte sie kleinlaut, ob es denn möglich wäre, dass Jona bereits ab Januar in die Krippe ginge und nicht so, wie es eigentlich geplant gewesen ist, erst ab September. Ich hatte mit Lachsalven gerechnet aber die Erzieherin klatschte fröhlich in die Hände und sagte „Na, da hast du aber Glück, Sandra! Gerade erst ist ein Krippenplatz freigeworden, weil ein Kind aus der Warteliste weggezogen ist!“ Ich staunte nicht schlecht und mein Herz pochte, als hätte ich einen 1000 Meter Lauf mit Jona auf dem Arm hinter mir.


Scheiße! Jetzt wird es echt ernst!


Zuhause holte ich mir den Artikel her, den Papa mir am Tag zuvor in die Hand gedrückt hatte und der diesen riesigen Stein ins Rollen gebracht hatte und ich rief ein erstes Mal bei der „Schule des Schreibens“ an. Ich schilderte der Frau am Telefon, dass ich gerne ein Buch schreiben möchte über mein eigenes Leben, ein Buch über einen eigenen Schicksalsschlag, ein Mutmachbuch für andere, …. Ich wusste nicht, welche Lehrgänge in diese Richtung es überhaupt geben könnte und ob ich mit meinem Vorhaben überhaupt in einen „normalen“ Romankurs passen würde. Die Frau am Ende der Leitung empfiehl mir ganz freundlich und selbstverständlich den Fernlehrgang „Biografisches Schreiben“.


Wow, es gibt sogar einen extra Kurs dafür!


„Autobiografien sind sehr beliebt, weil es sich dabei um authentische und persönliche Lebenserfahrungen handelt. Der Leser erwartet eine lebendige Lektüre, die ihn vor allem wegen ihrer sehr subjektiven Sicht berührt – und gleichzeitig erhofft er sich dadurch auch Erkenntnisse für das eigene Leben“, erklärte die Dame kurz die Bedeutung dieses Genres.

Ich fragte sie, ob ich den Kurs ab den 1. März beginnen könnte. Somit hätte ich nämlich zwei Monate, die ich in Ruhe und ohne Druck für die Eingewöhnung von Jona in der Krippe verwenden könnte.


„Selbstverständlich Frau Wagner, den Zeitpunkt Ihres Studiumbeginns können Sie frei wählen.“


So leicht geht das alles?


Ja, was soll ich sagen… ich war baff! Und gleichzeitig voller Vorfreude!


Wollt ihr wissen, wie „unglaublich“ es dann noch weitergegangen ist?? Bei mir kommt ja immer alles geballt „zufällig“ und mit einem bestimmten Blick auf den Kern der Dinge auch genauso, wie es immer kommen sollte. Wahrscheinlich ist das auch bei dir so, und bei jedem anderen, aber oft bleiben diese geschenkten Möglichkeiten des Universums unentdeckt oder finden nur kurz Beachtung mit einem Ausruf von „Poah, ist das jetzt ein Zufall!“ 😉


Jedenfalls wagte ich mich in der Schreibwerkstatt Coburg unterdessen an meine erste Kurzgeschichte… „Alles ist gut“ entstand und mein Lehrer war völlig überrascht über diese nicht erwartete „Meisterleistung“ meiner ersten Geschichte. Ich auch. Die Geschichte handelte von meinem Erwachen auf der Intensivstation nach dem Tod meiner eigenen Kinder. Sie begann mit den drei kleinen Worten Piep Piep Piep…


Nur wenige Monate später lautete die Einsendeaufgabe bei meinem Fernstudium bei der Schule des Schreibens


Schreiben Sie das erste Kapitel Ihres Buches!

Ja, und wer mein Buch gelesen hat, der weiß, wie mein erstes Kapitel beginnt….


Diese drei kleinen Worte „Piep Piep Piep“ wurden zum Startschuss und mein Herz war geöffnet und endlich konnten alle Worte fließen, die seit Jahren aufs Papier gebracht werden wollten. Und ich schrieb und schrieb und hatte immer wieder das Gefühl, dass genau das schon so lange geschrieben werden wollte, und ich spürte, wie das Leuchten meiner Sternenkinder mich erreichte und immer heller wurde...


So schrieb ich während meiner Studienzeit bereits nebenbei an meinem Herzenswerk und es nahm nach und nach seine Form an!


Das Schicksal (oder die Engel?) wollten es so und ich erhielt einen ganz wunderbaren Fernlehrer an meine Seite, mit dem mein Manuskript reifen und wachsen konnte. Ulrich Hoffmann war für mich wie ein weiterer Wink des Himmels, der mir zeigte, dass ich genau richtig sei! Mit diesem großartigen Lektor als Wegbegleiter und Mentor entstand mein Herzenswerk „Wenn aus Trauer Liebe wird“. Oft dachte ich mir, dass es kein Zufall sein könnte, dass ich bei der Schule des Schreibens mit einem Lehrer zusammengeführt wurde, der nicht „nur“ mehrfacher Bestsellerautor, sondern vor allem auch Yoga- und Meditationslehrer ist und der das Thema meines Lebens mit seiner so feinfühligen Weitsicht und diesem großen Herzensverständnis nicht nur wahrnehmen sondern gleichzeitig mit seinem großen Fachwissen auch zu diesem Diamanten schleifen konnte, für das ich es heute empfinde (und viele meiner Leser auch)!


Gestern habe ich Post von der Schule des Schreibens erhalten:


Wir haben es geschafft!

stand da in großen, roten Buchstaben auf einen Werbeflyer.


Erfolgreiche Teilnehmer stellen ihre Bücher vor

Und ratet mal, wessen Buch dort unter anderem vorgestellt wird 😊


Die Moral von meiner kleinen Geschichte ist: Geh deinen Weg stets mit Herz. Und dein Herz wird dir deinen Weg zeigen...


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