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  • Sandra Wagner

Das Trauerlabyrinth

Ein Labyrinth im ursprünglichen Sinne ist kein Irrgarten.

Mindestens ein vorgegebener Weg führt immer zum Ziel.


Trotz aller Verzweigungen und Verwindungen kommt man dem Mittelpunkt des Labyrinths,

dem Herzen, mit jedem Schritt näher.


Die Zeit in diesem Labyrinth gehört ausschließlich uns.


Unsere Trauer bestimmt das Tempo, in dem wir vorwärtsgehen.

Sie ist der Taktgeber für die Zeit, die wir in diesem Labyrinth verbringen.


Es ist die Zeit des Fragen-Stellens und des Schmerzes, eine Zeit des In-uns-Zurückziehens.

Eine Zeit, in der wir uns vom Außen abgrenzen oder uns abgegrenzt fühlen.


Oftmals bleiben wir an Ort und Stelle stehen und lassen uns zu Boden fallen.

Wir haben keine Kraft weiterzugehen. Fühlen uns orientierungslos.


Die vielen Wege und unüberschaubaren Mauern aus Fragen und Zweifeln machen uns Angst

und hindern uns daran, uns in der Trauer fortzubewegen.


Wir erstarren.


Wir glauben nicht daran, überhaupt jemals irgendwo anzukommen.


Doch eine vorgegebene Linie führt uns unmerklich von Anfang an auf einen Weg.

Auf den richtigen Weg. Auf unseren Weg.


Es ist ein Weg vom Zweifel, in den Glauben. Von der Trauer, zur Herzensstärke.

Vom Abschied, zum Neunanfang. Vom Tod, zum neuen Leben.


Am Wendepunkt des Trauerlabyrinths sind wir schließlich im Kern angekommen.

In unserer Mitte.


Wir öffnen uns, ganz langsam, wie die Blüte einer Rose.


Und irgendwann wagen wir eine Umkehr

und finden mit neuer Lebensenergie zurück nach Draußen.


Das Trauerlabyrinth ist kein Irrgarten.

Es ist der Garten unserer Seele.


Und die Liebe zum Verstorbenen ist der Nährboden für Neues.



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