• Sandra Wagner

Grenzenlos im Licht


Heute machte ich mit meiner Familie eine Fahrradtour durchs schöne Coburger Land...


Bisher unentdeckte, liebreizende Orte fielen uns bei dieser "Fahrt ohne Ziel" fast wie Sternschnuppen vor die Füße. Wie so oft in den letzten außergewöhnlichen Tagen der Ausgangsbeschränkung, in der wir unser Auto nur noch für den notwendigen Wocheneinkauf nutzen und nicht mehr, wie bisher üblich, auch für "Spaßfahrten", die heute durchaus zu einem bisher nicht erkannten Luxus herangereift sind...


So fuhren wir ganz nach Gemüt und ohne irgendwann irgendwo ankommen zu wollen einfach darauf los. Gutmütig mit uns selbst und unserem Gegenüber und ohne Hast fuhren wir an gelben Rapsfeldern vorbei, bestaunten die üppig blühenden Sträucher mit ihren tausend kleinen, weißen Blüten, die verschwenderisch in alle Richtungen ihren wunderbaren Frühlingsduft versprühen und legten immer wieder kleine Verschnaufpausen ein, wenn uns eine Anhöhe zu steil war und wir einmal tief einatmen mussten... Der Weg war schließlich unser Ziel und Eile entstand bei dieser Navigation nach Nirgendwo und Nirgendwann entspannender Weise gar nicht.


Und dann, irgendwann, trafen wir auf eine kleine Kapelle auf einem Hügel am Waldrand... und wir traten neugierig ein.


"Grenzenlos im Licht" stand da in großen Lettern, und durch viele, viele kleine Glasscheiben brach das Licht ins Innere dieses kleinen, heiligen Raumes, und Kerzen brannten, und an den Wänden entdeckten meine beiden Erdenkinder kleine Glückskäferchen.... und wir ließen uns nieder und ließen es wirken.


Und da dachte ich in grenzenloser Liebe an meine beiden Sternenkinder, die bereits grenzenlos in ihrem Licht leben und mir in diesem friedlichen Moment so grenzlos nahe waren...


Und an der Wand entdeckte ich plötzlich ein Schild mit einem Spruch, der ganz tief in mein Herz ging...


Geh
Geh weiter
Setze einen Fuß
vor den anderen
Vom Zweifel
geh zum Glauben
Und kümmere dich nicht um das
was unmöglich scheint
Entzünde ein Feuer
selbst mit den Dornen
die dich zerreißen
Frére Roger, Taizé

Und so merkte ich irgendwie, irgendwo an diesem Ort, der kein Ziel war, und irgendwie doch zu einem wurde, dass es mit meiner Trauer nicht anders war...


Und dass diese Radtour heute an diesem völlig losgelösten, außergewöhnlichen Ostersonntag, auch irgendwie nicht anders war, als mein Trauerweg, den dieser Spruch für mich so treffend beschreibt...


Einfach losfahren.

Losgehen.

Auch wenn das Ziel nicht klar ist.

Um irgendwann, irgendwie

im eigenen Glauben anzukommen,

dort, wo meine Seele Frieden findet...





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