• Sandra Wagner

Ich vermisse meine Kinder

24.08.2021 um 11:43 Uhr:


Ich liege am Pool in einem schönen Familienhotel in Italien. Im Hintergrund spielt Salsamusik. Lachende Kinder, Wasserplätschern, die Luft riecht nach Sonnenmilch und der Wind weht den Duft des Meeres um meine Nase, auf der in den letzten Tagen unzählige Sommersprossen aufgeblüht sind. Wie kleine Sternchen am klaren Nachthimmel. Mein Mann, mein lieber Schatz, mein Lebensbegleiter und bester Freund, liegt zufrieden neben mir und sein Fuß wippt zu den Salsaklängen... So viel Grund zum glücklich sein. So schön hier! Doch ich bin nachdenklich... um nicht zu sagen traurig. Denn ich vermisse meine Kinder! Nicht die beiden im Himmel. Zumindest nicht primär. Nicht jetzt in diesem Augenblick. Ich vermisse in diesem Augenblick, jetzt hier am Pool, meine zwei Erdenkinder, meine zwei Mädels, Melina und Jona! Als sie die Animateurin mit den coolen Rastas und dem Wasserball sahen, war es um ihnen geschehen. Und weg waren sie! Poolgames, Schatzsuche, Nutellaparty. Volles Programm. Und ich stehe hier mit meinem Masha und der Bär Wasserball und keiner spielt mit mir! Andere würden sagen: "Komm schon. Genieße es doch! Relaxe. Lese ein wenig. Sonne dich. Chill!" Aber ich will einfach nur mit Melina und Jona spielen! Malen. Planschen. Zum Spielplatz gehen. Auf der Liege kuscheln.


Ich vermisse sie! Obwohl sie doch DA sind!


Ich weiß, dass das "komisch" ist. Ich weiß, dass da andere Mamas anders sind. Gechillter. Entspannter. Und ich beneide sie darum. Ich wäre auch gerne easier. Lockerer. Aber diese Gefühle sind einfach da. Immer wieder.


Ich weiß, dass die Zeit mit den Kindern so begrenzt ist. Ich weiß, dass sie so schnell groß werden. Dass die Zeit mir durch die Finger rieselt, wie der Sand am Strand gestern, als Jona ihn durch ihre kleinen Hände im Wind auf Melina wehen ließ und ich sie deswegen schimpfen musste. Aber ich liebe selbst das Schimpfenmüssen bei meinen beiden Erdenkindern! Dieses Geschenk, Mama sein zu dürfen, dieses Geschenk ist so phänomenal groß für mich, dass ich selbst heute noch, als Mama einer 10 jährigen und 7 jährigen Erdentochter kaum in Worte fassen kann, wie dankbar ich dafür bin.


Und auch wenn ich weiß, dass sie immer meine Babys sein werden, auch wenn sie schon 18 sind, oder 38, scheint mir die Zeit, die Zeit, die mir bis dahin bleibt, so gering!


Ist es so, weil ich schon einmal viel zu früh Abschied nehmen musste? Kann ich nicht "loslassen" - das, was alle mir dringend empfehlen - weil ich zwei meiner Kinder schon einmal viel zu früh wieder habe loslassen müssen?


Bin ich wirklich so außergewöhnlich in meinem Wunsch, jede Minute mit meinen Kindern auskosten zu können, die Gott mir schenkt, ohne sie unnötig zu vergeuden mit sinnlosen Dingen wie Handy dillern oder Haus putzen, wenn die zwei mir doch gerade Einblick in ihre bunte Kinderwelt schenken wollen?


Ich freue mich über jede Minute mit den beiden und nehme jeden Moment als Geschenk dankbar an! Und jetzt, wo ich alleine am Pool liege, mit meinem Handy in der Hand, um mir meine Gedanken herunter zu tippen und meinem Masha und der Bär Wasserball, da frage ich mich, wie es für mich sein wird, wenn Melina und Jona so richtig flügge werden, wenn sie eines Tages los fliegen und das Nest verlassen... Ich weiß, dass ich stark bin, ich weiß, dass ich sogar den Tod meiner ersten beiden Kinder überlebt habe, und natürlich weiß ich, dass es der Lauf der Dinge ist, dass meine beiden Babys Melina und Jona in nicht all zu ferner Zukunft coole Teenies sein werden... Und obwohl ich das alles weiß, macht es mich sentimental. Und ich wünschte ich wäre gechillter.


Aber bis ich in diese großen Schuhe hineinwachse, bis dahin darf ich ganz sentimental meinen Masha und der Bär Wasserball anschauen und mich darauf freuen, wenn Melina und Jona in spätestens 20 Minuten strahlend aus dem Kidsclub heraus rennen und mich fröhlich fragen: "Mama, wollen wir Wasserball spielen??" Und ich werde laut JAAAA rufen und sie hochheben und herum wirbeln und sagen, dass ich mir nichts Schöneres vorstellen kann, als das!

Ich bin dankbar. Unfassbar dankbar. Und so glücklich, dass ich diese Dankbarkeit, Mama zu sein, so deutlich und in jedem Moment spüren kann!

(Text ohne quer zu lesen, hochgeladen. Scheiß auf Fehler - Melina und Jona kommen!!!! )





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