• Sandra Wagner

Manche Dinge sind nicht immer sichtbar

...obwohl sie immer da sind



Wie Tautropfen, die sich leise in zarte Spinnweben setzen, so leise seid ihr von uns gegangen. Und genau so leise sind die Momenten, in denen wir uns begegnen. Immer und immer wieder. Plötzlich seid ihr da, und macht verborgene Schönheit sichtbar.

Manche Dinge sind eben nicht immer sichtbar, obwohl sie eigentlich immer da sind…

Das habe ich heute wieder eindrücklich festgestellt. Wie immer war dieser für mich so erkenntnisreiche Moment „rein zufällig“ geschehen und wird genau durch diese Zufälligkeit ganz besonders wertvoll. Denn Zufälle… die gibt es für mich nicht.

Ich erzähle kurz von dieser Situation...

Ich war heute Morgen gerade auf dem Weg zum Briefkasten, als mir aus der kleinen Ziereiche in unserer Einfahrt ein großes, imposantes Spinnennetz entgegenfunkelte. Die Tautropfen darauf wirkten perlengleich, fast wie kleine Diamanten. Der Anblick dieses zart gewebten und mit Wassertröpfchen veredelten Naturschmuckstücks wirkte auf mich faszinierend - und gleichzeitig absolut verblüffend!


In diesem Baum habe ich gestern mit meiner kleinen Tochter eifrig nach gelben Herbstblättern gesucht! „In“ – weil wir uns bei unserer Suche fast in die kleine Krone hineingesetzt hatten. „Eifrig“ – weil die meisten Bäume, wie auch dieser, noch ihr grünes Sommergewand tragen und ein gelbes Herbstblatt deswegen nur schwer zu finden war. Für die Schule aber sollte unsere stolze Erstklässlerin ein gelb-goldenes Herbstblatt mitbringen und gerade dieser Baum hatte es ihr mit seinen großen, buntgefleckten Blättern besonders angetan.

Wir wühlten also bis in die unterste Schicht des üppigen Blätterkleides, um zumindest ein gelbes Blatt für Jonas Hausaufgaben finden zu können.

Wie konnten uns dabei all diese unzählbaren Spinnfäden, die sich heute wie ein wertvolles Collier rings um den Baum legen, gestern mit unseren eifrig suchenden Blicken einfach so entgangen sein??

Es war nur der Bruchteil einer Sekunde, der mir eine äußerst berührende Erkenntnis schenkte:


"Mit forschendem Blick lassen sich „Wunder“ eben nur selten entdecken..."

Und ich blieb stehen, und mein offener Mund schloss sich milde gestimmt, während sich ein seliges Lächeln auf meine Lippen niederlegte.

Ich kenne diese Art von Glücksmomenten sehr gut…. Auch während meiner Trauerzeit wurde ich immer wieder von solcherlei Erkenntnissen überrascht, die immer wie aus dem Nichts als kleine innere Stimme in meiner Seele auftauchten und mir ein kurzes Gefühl von Frieden bescherten.

Ja! Dachte ich. Je mehr ich früher immer nach „Wundern“ gesucht hatte, sprich nach Zeichen und Botschaften, die mir meine verstorbenen Kinder immer wie durch Zauberhändchen auf meinen Trauerweg legen (auch heute noch), desto weniger konnte ich diese Geschenke des Himmels für mich finden! Und je mehr ich mit „nichts“ rechnete, desto mehr wurde mir geschenkt!

Plötzlich sind „sie“ immer da. Wunder, Zeichen, Eingebungen, … ja, eben Engelsberührungen. Immer wieder, und immer wie aus dem Nichts!

So wie auch so manches Naturwunderwerk unbemerkt bleibt und sich erst im Morgentau zeigt, so ist es eben auch mit unseren Engeln.

Sie sind immer da, auch wenn wir sie nur selten wahrnehmen. Und dann „sehen“ wir sie plötzlich in all ihrer Zauberartigkeit, in all ihrer Schönheit, und bleiben mit offenem Mund stehen. Und bewundern ihr Wunder… und finden, gerade aus dem Nichts heraus, eine unendliche Sekunde von endlosem Frieden.




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