• Sandra Wagner

Trau dich zu deiner Trauer zu stehen!


"Ja, man, verdammte Scheiße! Ich habe mich verändert! Ich bin nicht mehr die, die ich mal war! Mein Kind ist gestorben! Raffst du das nicht?! Nein, ich habe keinen Bock so zu tun, als sei alles wieder gut! Nein, ich werde mich nicht für dich verstellen, nur damit du keine Angst davor haben musst, mit mir in Kontakt zu treten! Dann bleib´ doch einfach wo der Pfeffer wächst, wenn du mich nicht ertragen kannst, so wie ich jetzt bin! Ich habe mich verändert, weil mein Kind tot ist! Und ich werde nie wieder die Alte werden! Und wenn du diese Wahrheit nicht akzeptieren kannst, dann lass mich einfach in Ruhe! Ich werde mich nur noch mit Menschen abgeben, die mich als die Person ansehen und vor allem auch annehmen, die ich heute bin. Und jetzt, Tschüss.“


Als verwaiste Eltern haben wir einen besonderen „Status“ in der Gesellschaft. In gewisser Weise gehören wir ab dem Tod unseres Kindes nicht mehr zur Welt der „Normalen“. Wir sind erst einmal anders als die anderen. Und das für eine längere Zeit – wenn nicht sogar für immer.


Wir haben das Recht, uns jetzt auch anders zu zeigen. Anders als früher. Zerbrechlicher. Wütender. Trauriger. Und im Gegenzug auch dankbarer (z.B. für ein Erdenkind, das schon da ist oder noch nachkommt und das wir nun vielleicht „zu sehr verwöhnen“). Oder auch sinn-suchender oder spiritueller – was für andere auch nach esoterischem Humbug klingen könnte. Wir sind anders geworden. Nicht schlecht anders, und nicht gut anders. Aber anders. Und das ist okay und auch richtig!


Früher hat man seine „Andersartigkeit“ nach dem Tod eines lieben Menschen deutlich ins Außen getragen. Man trug schwarze Trauerkleidung und zeigte seinen Mitmenschen damit ganz deutlich, dass man nun diesen besonderen „Status“ trägt – den Status eines Trauernden. Und das Außen konnte dadurch auch auf diese „besonderen Menschen“ mit besonderer Achtsamkeit reagieren.


Auch heute noch dürfen wir unserem Umfeld - und auch uns selbst - immer wieder bewusst machen, dass vieles „anders“ geworden ist. Nicht nur im Tragen der Farbe Schwarz. Sondern vielleicht auch mit ganz klaren Worten, die ab und an beim Einen oder Anderen fürs bessere Verständnis nötig sind…






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