• Sandra Wagner

Trauer gibt´s eben auch in anders


Es ist irgendwie so … ja, so … krass, irgendwie … Und so, hmm, … so schmerzhaft. Ja, schmerzhaft!

Klar, man ist auch stolz und glücklich und so, aber trotzdem auch ganz schön sentimental und wenn ich mich jetzt noch weiter da reinsteigere, dann platzt mein dicker Kloß im Hals, den ich sowieso schon ganz deutlich spüre, und ich werde kläglich schluchzen und jammern wie ein kleines Kind …

Weil, ja, darum geht es im Moment ja auch: Um mein kleines Kind! Mein kleinstes wohlgemerkt. Meine jüngste Tochter. Jona. Mein Baby sozusagen. Die mir aber immer wieder zu verstehen gibt, dass sie ja so gar kein Baby mehr ist. Sondern schon eine Große. Weil, sie ist ja schon fast ein Schulkind und so.

Und ich, ja, ich trauere... Ja! Ich trauere! Und ich darf das auch!

Weil, wenn Jona jetzt schon fast ein Schulkind ist, und wenn aus meinem Baby jetzt schon so eine Große geworden ist, wo verdammt nochmal ist denn dann die ganze Zeit hin?!?

Es ist ein Abschiednehmen, ein Loslassen, und damit auch eine Art Trauer, die ich und wahrscheinlich viele andere Mamas in diesen Tagen durchmachen. Unsere einstigen Babys, unsere gerade noch Kindergartenkinder, die wir doch gefühlt erst gestern in der Krippe „eingewöhnt“ hatten, machen sich nächste Woche auf den Weg in ihre legendäre Schulzeit. Der Kindergarten ist vorbei – aus kleinen Zwergenkindern (so heißen die Krippenkinder bei uns in der Einrichtung), sind zuerst Mäusekinder (so hieß Jonas Kindergartengruppe ab ihrem 4. Lebensjahr), dann Vorschulkinder und jetzt SCHULKINDER geworden!

Wie soll eine Mama da auch mitkommen??? Dieses Tempo ist so rasant, dass ich trotz aller Wendigkeit und sportlichem Geschick mit meinem glückselig-vor-sich-hin-blubberndem Mama-Herz gar nicht hinterherkomme!

Wo ist die Zeit geblieben???

Wann ist aus den kleinen Fingerchen, die im Schlaf schutzsuchend meinen Zeigefinger umgriffen haben, eine so geschickte Hand geworden, die mittlerweile sogar Buchstaben schreibt und sich an die ersten allein geschriebenen Wörter wagt? Wann ist dieser kleine Stinkefußi, an dem ich so gerne am Wickeltisch geschnuppert habe und der immer den Weg in den Mund meiner Tochter gesucht und auch gefunden hat, dieser fest auf dem Boden stehende und entschlossene Fuß geworden, der den Weg zum Schulbus schnurstracks alleine geht und der heute schon ganz genau weiß, wohin er will und wohin nicht??

Diese Hand und diesen Fuß habe ich geboren. Diese kleinen Füßchen zauberten eines Tages (war das nicht erst gestern?) Beulen auf meinen runden Bauch. Und nächste Woche (nächste Woche!!) werden diese kleinen, schnellen, zielgerichteten Füße ihren Weg in die Schule gehen!!!! Und zu allem Mamatränenüberfluss sollen sie das auch noch alleine machen wegen der Hygienevorschriften zu Corona!

Der Gedanke daran treibt mir Tränen in die Augen...

Es ist eben auch ein Abschied. Es ist eben auch Trauer. Es ist eben auch etwas, das „für immer“ vorbei ist.

Ich bin sentimental. Ja. Und auch traurig. Ja. Und das ist okay! Und ich gestehe mir diese Traurigkeit zu. Und ich weine. Jede Mamaträne, die geweint werden will. Und das werde ich auch am Dienstag im Schuleinführungsgottesdienst machen. Und davor, wenn ich Jona ihre Schultüte gebe. Und jetzt, während ich daran denke und das hier niederschreibe.

Ja, ich weine. Und diese Tränen sind okay. Mamaliebestränen. Liebesstolztränen. Loslassmusstränen. Die sind mehr als okay.

Und ich schäme mich nicht dafür.

Denn Trauer will gelebt werden. Und Trauer ist eben nicht nur DIE Trauer, die man spürt, wenn jemand stirbt, den man liebt. Sondern die ist auch da, wenn ein Lebensabschnitt zu Ende geht, den man liebt. Und dann ist es auch okay, diese Trauer zu beweinen.

Ich wünsche allen Mamas alles Liebe zum Schulstart und dass sie einfach versuchen, dem Tempo dieser schnellen Füßchen mitzuhalten, auch wenn es nicht immer klappt… Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.




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