• Sandra Wagner

"Und was verdienst du so?"


Wie definierst du den Wert einer Freundschaft?

…an der Anzahl der Vorteile, die du durch diesen Freund in deinem Leben hast?

Wie definierst du die Tiefe einer Liebe?

…an der Summe der Jahre, die man zusammen verbracht hat?

Wie definierst du das schönste Geburtstagsgeschenk?

…an der Höhe der Kaufkraft, die der Schenkende dafür eingesetzt hat?

Wie definierst du den perfekten Urlaub?

…am Geld, das du dafür sparen musstest, um ihn verbringen zu können?

Wie definierst du deinen Lieblingsmenschen?

…an der Anzahl der Geschenke, die du von ihm bekommen hast?

Wie definierst du deinen Stil, und den Stil deiner Freunde?

…an den Markenklamotten, die du oder sie tragen?

Wie definierst du die Wichtigkeit eines Jobs?

…am Geld, das man durch ihn verdient?


Und wie definierst du Menschen, die einen großen Teil ihrer Arbeit „ehrenamtlich“ machen?

Die ihrer Arbeit mit Leidenschaft nachgehen, Tag für Tag, die dieser „einen großen Sache“ dienen wollen, dieser einen Sache, die ihnen so am Herzen liegt, die all ihre Zeit in diese eine Herzensangelegenheit legen, all ihren Eifer, ihren Ehrgeiz, all ihre LIEBE, und die dafür nichts - oder zumindest viel weniger „verdienen“, als es den Wert ihrer Arbeit tatsächlich angemessen wäre? Wie definierst du diese Menschen, die den Ruf ihrer Seele folgen, die nicht wissen, wo es sie eines Tages mit dieser Arbeit hinführen wird, die es aber dennoch immer weiter machen, einfach weil sie gar nicht anders können, als genau das zu tun, worum ihre Seele sie bittet, die fleißig sind und voller Tatendrang, einfach weil sie ihre ganze Liebe in diese eine Sache stecken. Dieser Sache, die ihr Feuer im Herzen entfacht und bei der sie fühlen: „Ja, genau das will ich machen! Genau das wird so dringend auf diesem Planeten gebraucht!“ Wie definierst du diese Menschen, die keinem „geregelten Job“ nachgehen, die keinen Arbeitgeber haben, bei dem sie täglich um 8 Uhr erscheinen müssen, die aber bereits um 6 Uhr beim Aufstehen an ihr Herzensprojekt denken, für das sie heute wieder Feuer und Flamme sein werden, die versuchen, IHR DING groß werden zu lassen, so groß, dass sie sich vielleicht eines Tages auch alle ihre Brötchen davon leisten können. Menschen, die keine freie Minute damit verschwenden, um im Büro heimlich unter dem Schreibtisch am Handy zu dillern, weil sie keine Lust haben auf ihren Job, für den sie aber ein geregeltes Einkommen mit nach Hause bringen. Wie definierst du diese verrückten Menschen, die auch noch am Abend ihrer Herzensarbeit nachgehen, oder am Sonntagmorgen oder an Feiertagen, einfach weil sie es WOLLEN. Menschen, die nichts in der Welt lieber machen, als das, die ganz nah an der Seele ihrer Mitmenschen sind, sie begleiten, ihnen helfen. Menschen, die mit ihrer Arbeit häufig nicht den Verdienst einbringen wie jemand, der jeden Morgen an einem Schreibtisch sitzt und fürs Kaffeetrinken von seinem Arbeitgeber bezahlt wird. Menschen, die sich dann aber von diesen anderen, gut verdienenden Menschen darüber definieren lassen müssen und Sätze hören, wie: „Du hast es gut, du arbeitest nichts.“


Es geht um Anerkennung, Wertschätzung, Respekt und Dankbarkeit.


Und dass auch Menschen in ihrer Arbeit gesehen werden sollten, die zwar nicht so viel verdienen wie ein Bankmanager, aber dennoch einer großen und wichtigen Arbeit fleißig und mit ganzem Herzen nachgehen.


Einfach, weil sie gar nicht anders könnten, als genau das zu tun.




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