• Sandra Wagner

Von der Zeit zwischen dem "Davor" und einem "Danach"


Im Windschatten der Beerdigung beginnt für Trauernde das „JETZT“.


Irgendwann wird sich daraus ein „Danach“ entwickeln. Irgendwann.


Das „Davor“ scheint unterdessen durch den Tod für immer verschlossen zu sein.


Weiterleben - ohne dich?! Das geht doch nicht! Ich weiß einfach nicht, wie das gehen soll!


Schauen wir nach Vorne, sehen wir plötzlich eine Welt, die uns auf einmal vollkommen fremd ist. Wir stehen vor unlösbaren Aufgaben, vorgegeben von einer anderen Macht. Das "Davor" mit einem "Danach" zu verknüpfen - völlig undenkbar! Wie soll das gehen??


Hilflosigkeit. Bis zum völligen Verlust der Orientierung.


Wie soll es nur weitergehen?? WIIIIE?


Die Zeit des "Davors" war an eine Kalenderzeit geknüpft. In Tage, Daten und Aufgaben eingeteilt. Sie hatte Struktur. Sie war geplant. Verplant. Wir hatten Kontrolle über sie. Denn wir bestimmten, was wir wann tun wollten. Größtenteils. Es fühlte sich gut an, diese Kontrolle zu haben. Die Macht über die Zeit. Die Zeit war unser. Wir füllten sie, wie wir es wollten.


Doch dann kam der Tod. Und dann die Beerdigung. Und diese neue Zeit, dieses JETZT, das kennt keine Stunden. Dieses JETZT ist zeitlos! Ein zeitloser Raum, in dem sich eine Stunde nicht in den gewohnten 60-Minuten-Takt einbinden lässt.


Dieses JETZT fühlt sich an, wie für immer der 29. Februar. Während für alle anderen die Zeit vom 28. Februar auf den 1. März weiterläuft, bleiben wir am 29. Februar stecken.


Das macht verdammt nochmal Angst!

Wir sind außerhalb der normalen Zeitordnung geraten!


Diese Zeit, zwischen dem „Davor“, in dem du noch da warst und dem "Danach", in dem ich ohne dich leben soll, dieses JETZT, das gilt es nun aber auszuhalten.


Nur aushalten.


In diesem JETZT gibt es keine großen Lösungen. Dieses JETZT lebt von kleinsten Regelmäßigkeiten.


Essen, trinken, schlafen. Weiterleben.


Mehr nicht. Weniger nicht.


Ich erlebe das JETZT so. Es ist mein Ich, das so empfindet, in meiner jetzigen Situation: Heute am 29. Februar.


Nach einer zeitlosen Zeit, vielleicht ein paar Monate, Wochen, oder Tage später, ist eine erste Ordnung und ein neuer Alltagsrhythmus wiederhergestellt.


Aufstehen, frühstücken, zur Arbeit fahren, diese Dinge funktionieren wieder.


Und der Rest... der kommt an einem 1. März wieder.


Versprochen.





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