• Sandra Wagner

Trauer will gelebt werden

Immer wieder habe ich das Gefühl, dass Trauer in unserem Leben, in unserer Gesellschaft, keinen Platz mehr hat. Als wäre nie der richtige Zeitpunkt dafür da, um sich mit ihr zu beschäftigen. Man schiebt sie beiseite, man lenkt sich von ihr ab, man vergräbt sich in Arbeit oder hört laut Musik, nur um die innere Stimme in uns zu übertönen, die dadurch immer lauter um Hilfe schreit.


Trauer will gelebt werden.


Sie lässt sich nicht wegschieben und auch nicht einfach wegdrücken. Sie ist das natürlichste Gefühl der Welt, das mit dem Verlust eines geliebten Menschen sofort in unser Herz geboren wird.


Trauer schafft sich Raum.


Irgendwie verhält sich das Gefühl der Trauer auch ähnlich wie „etwas Neugeborenes“. Ja, wie ein Baby! Wenn ein Baby weint und schreit, dann benötigt es Aufmerksamkeit und Liebe, Zuwendung und Achtung. Es signalisiert uns mit seinem Weinen: „Hey, ich brauche dich. Schau mich an. Kümmere dich um mich. Jetzt!“ Niemals kämen wir auf die Idee, uns von seinem Weinen "ablenken" zu wollen, nur weil es uns gerade nicht gut tut. Wir wenden uns diesem weinenden Wesen umgehend zu, trösten es mit all unserer Liebe und versuchen zu verstehen, was es uns sagen will. Manchmal gelingt es uns nach einer gewissen Zeit, seine Tränen zu stoppen, seine Bedürfnisse zu stillen und es sanft in unseren Armen in den Schlaf zu wiegen. Dafür brauchen wir viel Geduld, Verständnis, Liebe und mitunter auch starke Nerven. Doch werden wir dafür in manch zauberhaften Momenten auf wundersame Art und Weise belohnt, nicht immer, aber manchmal, mit einem seligen Engelslächeln…


So ist es auch bei der Trauer. Auch sie hat heilige Geschenke für uns dabei. Nicht immer, aber manchmal… Nämlich dann, wenn wir uns ihr geduldig zuwenden und anhören, was sie uns zu sagen hat.


Trauer will gelebt werden. Sie schafft sich Raum. Immer. Und sofort.


Genau wie die Liebe.


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